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Krabben: Die Mitbewohner mit den Scherenhänden


Wer Haustiere hält, muss seine vier Wände darauf abstimmen. Wer hunderte Krabben in Terrarien großzieht, erst recht. Zu Besuch bei Familie Rademacher-Mengedoht in Recklinghausen.

von Björn Goldmann am 01.02.2011

[caption id="attachment_660" align="aligncenter" width="450" caption="Unheimlich? Für Familie Rademacher-Mengedoht sind Krabben die perfekten Haustiere."][/caption]

Schon lange haben sie die Wohnung nicht mehr für sich alleine. Erst musste das Sofa vorgezogen werden, dann musste Familie Rademacher-Mengedoht die Regale leerräumen und sämtliche Dekorationen von der Fensterbank entfernen. 30 Terrarien und Aquarien brauchen viel Platz. In den Glaskästen: Krabben, insgesamt mehrere hundert. Fingernagelkleine, aber auch tellergroße. Blitzschnell huschen sie durch ihre Behausung, warten nur auf das abendliche Salatbuffet und die reichhaltige Beilage aus Mückenlarven. „Es gibt hier schon eine genaue Abstimmung zwischen unserem Platz und dem der Krabben“, sagt Monika Rademacher lachend. „Nur der Weihnachtsbaum hat seinen festen Platz. Aber das lassen wir uns auch nicht nehmen.“


Experten auf dem Gebiet der Krabbenhaltung

[caption id="attachment_670" align="alignright" width="300" caption="Inzwischen sind sie Experten auf dem Gebiet der Krabbenhaltung: Oliver Mengedoht und Monika Rademacher."][/caption]

Mit einer einzigen Krabbe begann die Geschichte vor fünf Jahren. Ein Fernsehbericht über die Zehnfüßler erregte das Interesse des Ehepaars, kurz darauf schenkte Oliver Mengedoht seiner Frau das erste Exemplar. Ein perfektes Haustier, reagieren seine Frau und sein Stiefsohn doch allergisch auf „so ziemlich jedes Tier mit Fell“, sagt Mengedoht . Mit der Zeit wuchs die Zahl der Terrarien, inzwischen gelten die Eheleute als Experten auf dem Gebiet der Krabbenhaltung. Sie betreiben ein Internetforum mit über 600 Mitgliedern, sie schreiben für Fachzeitschriften, sie halten Vorträge auf Messen und Vereinstreffen und sie stehen in engem Kontakt mit führenden Wissenschaftlern für Süßwasser- und Mangrovenkrabben. „Krabben sind sehr intelligente und damit sehr spannende Tiere. Es ist faszinierend, ihr Verhalten kennen zu lernen“, sagt Oliver Mengedoht. „Sie sind für uns eine echte Bereicherung.“

Terrarien überall in der Wohnung verteilt

[caption id="attachment_662" align="alignleft" width="150" caption="Gruseliger Mitbewohner: Die Halloween-Krabbe."][/caption]

Und reichhaltig ist auch ihr Nachwuchs. An die 300 Jungtiere haben in der Recklinghäuser Wohnung bisher das Licht der Welt erblickt. Darunter auch die Babys der Mangrovenkrabbe - die eigentlich als nicht nachzüchtbar gilt. Die winzigen Krabben werden bald in eines der vielen Terrarien umziehen, die auf den 100 Quadratmetern Wohnfäche scheinbar wahllos verteilt sind. Einige stehen im Wohnzimmer. Andere im der Küche. Selbst der Schreibtisch und das Schlafzimmer sind belegt. „Wir wollen die Tiere nicht alle gesammelt auf einem Fleck halten. Ich möchte jedes einzelne Terrarium wahrnehmen, wenn ich durch die Wohnung gehe. Jedes ist eine Welt für sich“, sagt Monika Rademacher.

Meist sind es dunkle Welten. Denn eine Beleuchtung brauchen eigentlich nur die Pflanzen in den Terrarien. Krabben selbst bevorzugen schattige Plätze, buddeln sich gerne ein. Monika Rademacher muss schmunzeln: „Das ist ein typisches Verhalten. Wobei man das Wort ,typisch’ bei uns kaum in den Mund nehmen kann. Denn wir bewohnen sicher keine typische Wohnung. Dafür leben wir so, wie wir es möchten!“




Hintergrund
Es gibt insgesamt fast 7000 Krabben-Arten. Die meisten Arten leben im Meer, einige aber auch im Süßwasser oder an Land. Krabben gehören zu den Zehnfußkrebsen. Das erste Beinpaar des Rumpfes ist zu großen Scheren umgebildet, die Augen sitzen auf Stielen. Krabben können bemerkenswert schnell seitwärts laufen. Einige Krabbenarten gelten als Delikatesse, vor allem Taschenkrebse, Tiefseekrabben und die japanischen Riesenkrabben. In der Küchensprache sind mit Krabben üblicherweise Garnelen, speziell Nordseegarnelen gemeint.

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